Meine Top-Alben 2008

Wie schon im letzten Jahr nutze ich die Tage zwischen den Jahren, um meine Hörgewohnheiten der vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Und dank diesem großartigen Internet-Dingens habe ich dafür eine sehr einigermaßen valide Datenbasis: last.fm
Das ganze Jahr über habe ich fast jeden Track, den ich auf Computer, mp3-Player, Internet-Radio, blip.fm, etc. pp. gehört habe (also so ziemlich alles ohne CDs, Schallplatten und „normales Radio“ – aber alles drei Quellen, die ich nur selten nutze) an last.fm gescrobbelt und weiß somit genau, dass ich seit Silvester 1.510 Tracks von Giant Sand gehört habe (#1), und immerhin 207 von Anna Ternheim (#20), und 32 mal Pills I Took von Hank Williams III.


Da ich aber immer noch zu den unverbesserlichen Nostalgikern gehöre, die ganze CDs kaufen (und dann sofort rippen und auf den iRiver packen) anstatt einzelne Songs bei iTunes oder einem anderen DRM-Abzocker-Verein herunterzuladen und somit auch noch dem alten Konzept des Albums anhänge, sagt es mehr über meine Hörgewohnheiten aus, wenn man sich mal anschaut, welche Alben ich denn im vergangenen Jahr am häufigsten gehört habe. (Verfahren genau identisch zum letzten Jahr, allerdings musste ich da einiges nachkorrigieren)

Et voila:
Meine Top 20 Alben des Jahres 2008 (Stand 30.12.)

  1. Hank Williams III – Straight to Hell
  2. Giant Sand – Provisions
  3. Giant Sand – Chore of Enchantment
  4. Band Of Blacky Ranchette – Still Lookin‘ Good to Me
  5. Arizona Amp and Alternator – Arizona Amp And Alternator
  6. Howe Gelb – Confluence
  7. Giant Sand – Ramp
  8. G.Rag y Los Hermanos Patchekos – Lucky Goddamn
  9. Hank Williams III – Risin‘ Outlaw
  10. Ray’s Vast Basement – On the Banks of the Time
  11. Howe Gelb – The Listener
  12. Hank Williams III – Damn Right, Rebel Proud
  13. Iron & Wine – The Creek Drank the Cradle
  14. Band Of Blacky Ranchette – Sage Advice
  15. Calexico – Garden Ruin
  16. Micah P. Hinson – The Baby & The Satellite
  17. G.Rag und die Landlergschwister – Landlergschwister
  18. Calexico – Carried To Dust
  19. Neko Case – Fox Confessor Brings the Flood
  20. Those Poor Bastards – Songs of Desperation

Auf dem ersten Platz zeigt sich einer meiner absoluten Favourites 2008: Hank Williams III. Straight to Hell ist mein absoluters Lieblings-Album von Hanks Sohn und Hank Jr.’s Enkel. Auf Rang 9 folgen noch sein Erstling Risin‘ Outlaw und auf Rang 12 sein neuestes Werk Damn Right, Rebel Proud, dem ich hier schon gehuldigt habe. Wenn das Ding nicht erst im November erschienen wäre, wäre es wohl mit ganz weit vorne gelandet. Hank III ist für mich ein universeller Wegbegleiter. Perfekt, um sich auf dem Weg in die Kneipe einzustimmen, auf dem Heimweg von der Arbeit abzuschalten, oder auch zum Joggen (ja, echt!). Mehr Punk als so mancher Iro-Träger und 1 1/2-Akkorde-Schrammler ist Hank auf jeden Fall.

Auf Rang zwei beginnen die Howe Gelb-Festspiele. Acht Alben der Top 20 sind von und mit Meister Gelb: 2 bis 7, 11, und 14. Wenn man #19, auf dem er auch zu hören ist, mitzählt sogar neun. Meine Begeisterung für Howes Musik habe ich ja schon bei mehreren Gelegenheiten mitgeteilt. Direkt auf Platz 2 das 2008er Giant Sand-Album proVISIONS. Und das, obwohl das Album erst im September veröffentlicht wurde. Mit Stranded Pearl und Increment of Love sind zwei absolute (neue) Knaller drauf, und die hier veröffentlichte Version von Can Do rockt deutlich mehr als die von Arizona Amp and Alternator. Dass Chore of Enchantment, dieses wohl ausgereifteste und ausgewogenste aller Giant Sand Alben, so weit vorne landet, liegt nicht nur an meinen Favourites Shiver, Dirty from the Rain und (Well) Dusted (for the Millennium) – das gesamte Album kann ich immer wieder von vorne bis hinten hören. Still lookin‘ good to me von Howes Gelegenheits-Combo Band of Blacky Ranchette und Arizona Amp and Alternator repräsentieren die Country-Seite seiner Musik, während Confluence sein in meinen Augen bestes – und schönstes – Solo-Werk ist. Extrem entspannte Musik. Reduziert, aber intensiv und mit wunderschönen Melodien – gilt übrigens auch für The Listener (#11). Ramp schließlich lag auch eher in der zweiten Jahreshälfte auf Heavy Rotation bei mir. Besonders Wonder, Warm Storm und Resolver sind schöne Alternative Country Songs. Und nicht zuletzt habe ich dank Howe auch zwei großartige Konzerte mehr in 2008 erlebt.

Auch dieses Jahr wieder vorne dabei: G.Rag einmal mit der aktuellen Patcheko-LP, und zum zweiten mit dem ersten Landlergschwister-Release. Die räumen dieses Jahr bei mir auch den Preis für die beste Konzert-Location ab. Das Release beim Frühschoppen im Biergarten des Münchener Hofbräuhauses war einfach der perfekte Rahmen. Und ich freue mich schon narrisch auf das im nächsten Jahr zu erwartende Patcheko-Album. Auf geht’s, Buam!

Calexico sind bezeichnenderweise mit den beiden neuesten Alben vertreten. Beide haben bei mir ziemlich lange Anlaufzeit gebraucht, um sich in Ohr und Herz zu spielen, haben aber mit ihrem sehr relaxten Folk-Sound die früheren Mariachi-Klänge fast vollständig vergessen lassen. Und auch dieses Jahr habe ich Calexico live gesehen. Diesmal nicht ganz so schön wie im letzten Jahr (open Air am Dachauer Rathausplatz), dafür etwas zentraler in der Muffathalle.

Fehlen noch

  • Ray’s Vast Basement: Ich kenne ja nur das Album On the Banks of the Time – ein wunderschönes Konzept-Album mit Wahnsinns-Stimme und begleitender Internet-Concept-Art oder so ähnlich.
  • Iron&Wine: Ich ärgere mich immer noch, dass ich deren Konzert in Dachau Anfang des Jahres verpasst habe.
  • Micah P. Hinson: Auch eine meiner Entdeckungen der letzten zwei Jahre. Eine unglaublich sanfte Stimme, tolle Songs und wunderschöne Arrangements. Und Micah dürfte mit ein paar seiner Alben auch deutlich höher positioniert sein, allerdings hat last.fm leichte Probleme bei der korrekten Zuordnung der Tracks zu den Alben…
  • Neko Case: Schöner Alt. Country aus dem Howe Gelb-Umfeld. Tolle Stimme und im Februar in München. Yeah.
  • Those Poor Bastards: Dass die Jungs hier auftauchen, wundert mich ehrlich gesagt schon ein wenig, freut mich aber auch irgendwie. Zum einen hat Hank III einige ihrer Songs gecovert, zum anderen sind die Jungs verdammt lustig. Und Doom Country ist ja schließlich The Next Big Thing!

2008 war mal wieder ein schönes Musik-Jahr mit klasse Konzerten (hier gar nicht erwähnt: Neurosis im August. Brutal.), einigen Neuentdeckungen und spannenden und lang erwarteten Releases. Wenn ich mir meine Hörgewohnheiten so anschaue, scheine ich wirklich älter zu werden. Immer weniger Punk, Metal und Hip Hop, dafür immer mehr Alternative Country/Folk-Zeugs. Mal schauen, was 2009 so bringen wird. Ich bin gespannt.

Zweimal Tucson und zurück

Ich hatte ein paar Jahre Howe Gelb-Live-Entzug. Ich glaube, das letzte Mal habe ich Giant Sand 2005 im Feierwerk in München gesehen. Seitdem haben sich unsere Wege nicht mehr gekreuzt.

Dann veröffentlicht er mit proVISIONS das erste reguläre Giant Sand-Album seit 2004 und geht auf Tour. Das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und so hatte ich das Vergnügen, innerhalb von einer Woche zwei Konzerte zu sehen. Sonntag in Hamburg und gestern in München.

Beeindruckendend war in Hamburg zunächst mal die Location: das uebel&gefährlich ist im vierten Stock des gigantösen Hochbunkers am Heiliggeistfeld untergebracht und hat dadurch schon einen ganz eigentümlichen Charme.
Entdeckung des Abends war für mich sicherlich der erste Support-Act: Sarah Blasko ist eine sehr sympathische Australierin, die wirklich schöne kleine Liedchen singt und dazu die Gitarre zupft.
Das Giant Sand-Set an dem Abend war eher ruhig, viel Howe-Piano-Jazz, der auch mal ein paar Minutren ohne Howe auskam, und enttäuschte eigentlich nur in einer recht lieblosen Uptempo-Version von „Shiver„. Dafür gab’s am Schluss noch neuen Stoff: „Better man than me“ – ein schöner Blues-Kracher (Video vom Vorabend in Gent)

Donnerstag im Feierwerk war wirklich großartig. Der Saal war deutlich voller als in Hamburg, und Howe auch spürbar besser gelaunt. Das Set war schneller, Sarah Blasko sang eine wunderschöne Version von Cracklin Water, und Als letzte Zugabe gab’s die Hits Shiver und Blue Marble Girl.

Ob Howes eigene Einschätzung zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Für mich war’s jedenfalls ein großer Abend!

best set ever got played and splayed here in munich tonight. we should absolutely quit now or never stop. cannot de cide. the end -howe


Und, Howe: nicht aufhören, kneifen gilt nicht!

Übel und Gefährlich: Nik on Tour

Habe ich schon erwähnt, dass ich mich tierisch auf das Giant Sand-Konzert in Hamburg freue? Ok, knapp 800 Kilometer für ein Konzert sind kein Pappenstiel, aber nachdem München scheinbar auf der Relevanzlandkarte von Howe Gelb (und übrigens auch einer ganzen Menge anderer Künstler, habe ich das Gefühl), einen weißen Flecken darstellt ich zu blöd bin, Tour-Pläne zu lesen, muss man so einen Weg wohl auf sich nehmen und komme so in den Genuß, Giant Sand zweimal zu sehen (Danke für den Hinweis in den Kommentaren). (BTW: Für Fußball reisen manche Leute noch deutlich weiter…)

Auf jeden Fall: Die Tickets hängen schon am heimischen Kühlschrank, die Übernachtungsmöglichkeit ist klargemacht, der Urlaub am Montag danach genehmigt. Drückt mir die Daumen, dass alles gut geht.
Das obligatorische Tour-Album scheint’s auch zu geben, wenn man der Tour-Managering Glauben schenken darf:

Rock’n’Roll Highschool: Evil Horde – Mental Paradise

Der eine oder andere mag es wissen: In meinem früheren Leben war ich Rockstar. Also wenigstens so ein ganz kleiner. Ich habe in einer Band gespielt, und die hatte für damalige Verhältnisse – das Internet war noch nicht so wirklich erfunden, mp3 lag noch nichtmal im Schaufenster und die CD war gerade so am loslaufen – einen akzeptablen Erfolg. Wenn man bedenkt, dass wir damals jünger waren, als Tokyo Hotel heute sind. Und wie man unschwer erkennen kann, haben wir auch deutlich besser ausgesehen.

Wir standen unter der Woche im Probenraum und am Wochenende rekrutierten wir volljährige Bekannte und deren Ford Transits, um irgendwo in der Ober-, Nieder- und Hinterbayrischen Provinz Konzerte zu spielen. Später durften wir dann auch eine große Tournee machen und sind so bis nach Hamburg, Berlin, Bremen und Bielefeld gekommen. Große weite Welt für uns damals. Kennt noch jemand „The Notwist“? Mit denen waren wir oft unterwegs…

Vor einiger Zeit habe ich schonmal – wenn auch unter Wahrung der Anonymität des Schreibers – darauf hingewiesen, dass die LP, die wir damals mehr oder weniger im Selbstverlag veröffentlichten (Hardcore hieß: Jeder kann mitmachen! Gestalte die Szene selbst! Und jeder machte was – ob Band, Fanzine, Konzerte organisieren, Plattenlabel aufmachen, etc. pp) frei zum Download auf last.fm verfügbar ist.

Und jetzt gibt es auch unser Debüt in voller 4-Track-Länge. Zum Reinhören, Genießen, Träumen:

Evil Horde – Mental Paradise (7“, General Winter, 1990)

Männer! statt Fußball

Eigentlich gibt es keine Entschuldigung dafür, NICHT im Block F1 zu stehen, wenn die Amateure des ruhmreichen TSV München von 1860 im Grünwalder Stadion auflaufen. Außer vielleicht dem, dass ich schon im Sommer zwei Karten für die Münchner Kammerspiele geschenkt bekommen habe, und die DFL (DFB? wer auch immer dafür zuständig ist…) Das Spiel der Amateure gegen die zweite Mannschaft des FCN erst relativ kurzfristig von Mittwoch auf Dienstag (Englische Woche auch noch – da soll einer dran denken…) vorverlegt haben.
Neben der Tatsache, dass ich seit langer Zeit mal wieder mit der besten Frau der Welt ins Theater gehen durfte entschädigte mich die Tatsache, dass es in dem Stück wenigstens um Fußball ging und die Pressefotos im Sechzger Stadion aufgenommen wurden.


Das Stück? Männer! Ein Fußball-Liederabend von Franz Wittenbrink
Das Ganze ist zwar schon von 2006, aber man muss ja nicht überall der erste sein.
Kurzkritik: Nette, seichte Unterhaltung. Musikalisch ganz ok dargebracht, zum Ende hin mit einigen Längen. Trotzdem insgesamt eine schöne Holzschnitzerei über Männer und wie sie so sind. Der Promi ist erschreckend alt, singt nur mittelmäßig und hat eine grauenhafte Aussprache des Englischen.
Hab mich aber prächtig amüsiert.

Trailer:

der geneigte leser möge das erste Lied entschuldigen – sie haben’s tatsächlich gesungen. Dafür entschädigen sie einen aber mit authentischem Liedgut aus der Löwen-Kurve („Ficken, Saufen, TSV“) und einer sehr glaubwürdigen Interpretation des Toten Hosen-Klassikers „Bayern“ als Zugabe.

Als ich dann beim Heimgehen von der Eigentor-Niederlage gelesen habe, hab ich nix bereut. Der Verein rückt in immer weitere Ferne…

Veranstaltungstipp: The Kaiser Mix


Wenn The Kaiser ruft, gibt es eigentlich keinen Grund, die Gefolgschaft zu verweigern. So auch am kommenden Donnerstag, wenn His Majesty den Schwarzen Hahn zum Zentrum eines womöglich weltweit einzigartigen Happenings macht.

Was uns da erwarten wird, weiß ich auch nicht so genau, aber es wird Blip.fm, Twitter, Videostreams und jede Menge Musik und Bier beinhalten. Und wenn ich den Kaiser neulich nach der fünften Halben im Holy Home noch richtig verstanden habe, legt quasi die ganze Welt von Giesing über Beijing bis Sydney in der Au auf. Wer also einen Blip.fm-Account hat, möge den Kaiser auf seine Favoritenliste setzen und am Donnerstag über thekaisermix.com fleißig Musik in den Schwarzen Hahn schicken. Wer keinen Account hat, oder auch lieber real als virtuell Bier trinkt, gute Mucke hört und nette Leute trifft, kommt einfach persönlich da vorbei.