Der Niggemeier-Effekt?

Jetzt ist es fast drei Monate her, dass ich in einem kleinen Blog-Post auf die Manipulierbarkeit eines Online-Votings bei Vanity Fair hingewiesen habe. Mein ursprünglicher Vorschlag, doch Florian Silbereisen die ihm nun wirklich gebührende Position 1 im Ranking der wichtigsten Deutschen unserer Zeit zukommen zu lassen, wurde von der Blogosphäre leider nicht aufgenommen. Stattdessen entschied man sich, Stefan Niggemeier diese „Ehre“ zuteil werden zu lassen. Es hätte schlimmer kommen können ;-)
So machte sich eine muntere Schar von Bloggern auf, mit Hilfe von mehrfachen Auto-Reloads den Herrn Niggemeier nach oben zu katapultieren – was auch trotz zwischenzeitlicher Intervention der Vanity Fair-Redaktion auch gelang – und bis heute kann sich Niggemeier in den Top-10 halten.
Nun mag man sich fragen, was denn an dieser ollen Geschichte heute noch interessant sein mag. Die Rangliste der Vanity Fair ist ja tatsächlich auch an Bedeutungslosigkeit höchstens noch von dem einen oder anderen BlockBlog zu unterbieten.

Die Antwort ist einfach: Am Montag wurden mal wieder die monatlichen IVW-Zahlen veröffentlicht. Unter vielen Websitebetreibern (und leider auch bei manchen Fach-Journalisten) gelten die in der IVW ausgewiesenen PageImpressions immer noch als sowas wie ein Leistungsnachweis, als Kennziffer für die Größe eines Online-Angebotes und seiner Bedeutung als Werbeträger. Auf einer Basis, die mehr als nur eine Momentaufnahme darstellt, ließe sich jetzt also der von mir erwähnte Effekt nachweisen.
Und da hat sich seit dem August doch Erstaunliches getan:


Die Seitenabrufzahlen von vanityfair.de haben sich im August im Vergleich zum Vormonat um 61% gesteigert, während die Zahl der Visits leicht gesunken ist.
Leider startete die Voting-Welle erst Ende August, sodass sich die Vielzahl der durch Auto-Reload generierten Seitenabrufe auf die beiden Monate August und September verteilen dürften.

Dementsprechend hat sich seit dem August auch das Verhältnis der PIs pro Visit deutlich verändert. Pendelte der Wert bis dahin immer um die sieben Abrufe pro Besuch, steigt er in den letzten Monaten auf fast die doppelte Zahl. Im Schnitt klickt jeder Besucher also heute doppelt so häufig auf der Seite umher als zuvor. Und das scheint ein doch länger anhaltendes Phänomen zu sein…

Mir stellt sich hier ein grundsätzliches quasi-juristisches Problem:
Ist so eine Voting-Stimme überhaupt eine PageImpression? denn schließlich darf eine PI nur gezählt werden, wenn der Nutzer mit der Aktion (d.h. Klick, Reload) die Erwartung hat, „eine wesentliche Veränderung des Seiteninhaltes zu
bewirken.“ (IVW-Richtlinien). Ob der schnell verblassende Hinweis „Vielen Dank für Ihre Stimme!“eine wesentliche Änderung darstellt, mögen bitte die IVW-Gremien entscheiden.

Die Jagd nach möglichst vielen PageImpressions verändert die Art, wie kommerzielle Internet-Angebote aufbereitet werden – und das zu ihrem Nachteil, finde ich. So lassen sich mittlerweile recht einfach „PI-optimierte“ Angebote eben durch das Vorhandensein von Klicktreibern wie nicht gedeckelten (1 Stimme pro User) Votings und Artikeln die auf eine 20-teilige Bildergalerie verhackstückt werden von gut gemachten Angeboten unterscheiden, die ihre Nutzer ohne Umwege zur gesuchten Information, zum erwarteten Content bringen unterscheiden. Von einem Münchner Medienhaus weiß ich, dass die Online-Redakteure nicht mehr nach PIs bewertet werden, sondern nach Unique Usern – ein erfolgreicher „Channel-Manager“ also nicht möglichst viele Klicks generieren, sondern möglichst viele Menschen interessieren muss (und die leute auch am nächsten Tag, in der nächsten Woche wieder auf sein Angebot ziehen sollte).

Bleibt nur zu hoffen, dass die Nutzer auf Dauer solche Klicktreibereien mit Nicht-Besuch strafen, werbungtreibende und Agenturen noch mehr Augenmerk auf die Qualität eines Seitenkontaktes legen, und in der IVW endlich eine zeitgemäße Definition des Werbekontaktes – idealerweise erweitert um eine qualitative bzw. zeitliche Komponente.

Ach ja: Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn irgendwann einmal das Ergebnis des Votings im Heft veröffentlicht werden soll…

Männer! statt Fußball

Eigentlich gibt es keine Entschuldigung dafür, NICHT im Block F1 zu stehen, wenn die Amateure des ruhmreichen TSV München von 1860 im Grünwalder Stadion auflaufen. Außer vielleicht dem, dass ich schon im Sommer zwei Karten für die Münchner Kammerspiele geschenkt bekommen habe, und die DFL (DFB? wer auch immer dafür zuständig ist…) Das Spiel der Amateure gegen die zweite Mannschaft des FCN erst relativ kurzfristig von Mittwoch auf Dienstag (Englische Woche auch noch – da soll einer dran denken…) vorverlegt haben.
Neben der Tatsache, dass ich seit langer Zeit mal wieder mit der besten Frau der Welt ins Theater gehen durfte entschädigte mich die Tatsache, dass es in dem Stück wenigstens um Fußball ging und die Pressefotos im Sechzger Stadion aufgenommen wurden.


Das Stück? Männer! Ein Fußball-Liederabend von Franz Wittenbrink
Das Ganze ist zwar schon von 2006, aber man muss ja nicht überall der erste sein.
Kurzkritik: Nette, seichte Unterhaltung. Musikalisch ganz ok dargebracht, zum Ende hin mit einigen Längen. Trotzdem insgesamt eine schöne Holzschnitzerei über Männer und wie sie so sind. Der Promi ist erschreckend alt, singt nur mittelmäßig und hat eine grauenhafte Aussprache des Englischen.
Hab mich aber prächtig amüsiert.

Trailer:

der geneigte leser möge das erste Lied entschuldigen – sie haben’s tatsächlich gesungen. Dafür entschädigen sie einen aber mit authentischem Liedgut aus der Löwen-Kurve („Ficken, Saufen, TSV“) und einer sehr glaubwürdigen Interpretation des Toten Hosen-Klassikers „Bayern“ als Zugabe.

Als ich dann beim Heimgehen von der Eigentor-Niederlage gelesen habe, hab ich nix bereut. Der Verein rückt in immer weitere Ferne…