Der Block F1 ist derzeit etwas verwaist - er macht seinem Namen als Rentner-Block also gerade alle Ehre.

Wer NiksNeues sehen will, findet das hauptsächlich hier.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Raus aus der Arena (II)

Ich hatte ja eigentlich erwartet, dass das Signal von der Delegiertenversammlung - Raus aus der Arena! - langsam wieder in den Hintergrund rückt und es sich der TSV-Präse Beeck in seiner absoluten Bestätigungsmehrheit gemütlich macht. "Wir haben ein Commitment" ist das zeitgemäß-marketingsprech-technokratische "Es gääht hoid ned" von Wildmoser und seinen unseeligen Epigonen.
Doch weit gefehlt.
Nachdem die Süddeutsche Zeitung den Ball aufgenommen hatte, kam plötzlich Schützenhilfe von nicht zu erwartender Seite. Der Vermieter in Gestalt des Lleibhaftigen Höneß persönlich sprach, er möchte die Arena doch gerne alleine nutzen und man würde dem ungeliebten Mieter keine Steine in den Weg legen, wollte der aus dem größtenmodernstenbesten ParkhausStadion der Welt des Universums ausziehen wollen. Alle Tore würde man aufmachen.
Und was macht unsere Führungsriege: Beeilt sich ganz schnell, dem scheinbar bis zur Selbstaufgabe bewunderten Lokalrivalen dorhin zu kriechen, wo die Sonne nicht scheint (und damit meine ich nicht die Konzernzentrale an der Säbener Straße) und zu versichern, man sei ein gan braver Mieter und denke selbstverständlich nicht daran, die Zahlungen einzustellen, höchstens ein bisschen Mietnachlass wäre schon schön, gell lieber UlliKalleFranzi? Dabei ist es natürlich auch ganz egal, ob der TSV über kurz oder lang an den horrenden Mietkosten von über 5 Mio. Euro im Jahr krepiert - die Arena ist schließlich "unsere beste Aktie", und was nach 2025 passiert, wenn der Mietvertrag in der Arena ausläuft und uns der Vermieter vor die Tür setzt, sämtliche Alternativstandorte aber mittlerweile vollends unbespielbar geworden sind (Einkaufszentrum in Giesing, Leichtathletik-Denkmal am Oberwiesenfeld) ist dem Lebenswerkvollender Reuter natürlich schnuppe. Bis dahin ist er wahrscheinlich seiner persönlichen Lebensplanung nach längst der Nach-Nachfolger auf dem Managersessel des Marktführers. Gerüchten zufolge sind sie sogar schon vor den Roten im Staub gerutscht und haben darum gebettelt, dass DIE das Thema nicht weiter anheizen. Wenn das stimmt, gehören beide mit dem Dreschflegel von der Grünwalder Straße bis nach Hinterbrühl geprügelt.

Mit einem konnten die Aussitzer Beeck und Reuter aber nicht rechnen: Nicht nur die altbekannten Störer, Steineschmeißer und Stadion-Terroristen halten den Ball "Ausstieg aus der Arena" weiter im Spiel, nein - immer mehr Löwen-Fans und Fangruppierungen stellen sich hinter die vermeintliche Minderheit: Freunde des Sechz'ger Stadions, Pro1860, Löwenfans gegen Rechts, Southside Supporters, usw, usf.
Und noch besser: der Münchener Zeitungs-Boulevard hat das Thema entdeckt und lässt die Herren in unverantwortlicher Position beim TSV das Thema nicht unter den Tisch kehren. Bravo, endlich, wurde ja auch Zeit.

Am Montag Abend hat dann ein weiterer Großsprecher des anderen Vereins erstmals eine konkrete Größenordnung auf den Tisch gelegt, was die Löwen denn seiner Ansicht nach ein Auszug kosten sollte. Und was vernimmt das verwunderte blaue Ohr? Nicht die 85 Millionen, die der TSV bis zum Ablauf des Schandvertrages in 17 Jahren noch mindestens zu zahlen hat, und auch nicht die von Dr. Ziffzer in den Raum gestellten 58 Millionen. Nein - das ganze geht deutlich günstiger. "Ein hoher siebenstelliger Betrag" ist es laut Rummenigge - also irgendwas so an die 10 Mio. Euro, wenn wir mal hoch ansetzen. Und das ist erst das erste Verhandlungsangebot. Mir stellt sich da allerdings die Frage: Hat der Vermieter jetzt nur endgültig die Schnautze voll von Negativmitteilungen rund um die Löwen und die Arena, die das Ansehen seines Luxustempels am Klärwerk immer weiter ruinieren? Oder hat von den vorhergehenden Machthabern beim TSV einfach nur keiner mal bei den Anderen da drüben angefragt, ob man denn den Mietvertrag nicht als historischen Fehler beerdigen könnte - selbst der von mir eigentlich unterstützte und geschätzte Albrecht von Linde nicht?

Der Weg raus aus der Fröttmaninger Sklaverei heim ins unabhängige Löwenleben scheint derzeit greifbar nah - so nah, wie schon seit Jahren nicht mehr.

Wenn - ja, wenn:

Ein Ausstieg kostet so ungefähr 10 Mio., ein zweiterstligatauglicher Ausbau des Grünwalder Stadions wohl nochmal etwa 15 Mio. Also alles in allem 25 Millionen Euro - Geld, das der TSV im Moment definitiv nicht auf der hohen Kante hat. Die Stadt hat erst heute laut Süddeutscher Zeitung vermeldet, dass sie wohl in 2009 aufgrund der Finanzkrise ein Minus im Haushalt kalkuliert und fällt als Geldgeber voraussichtlich aus. Risikofreudige Banken oder Investoren sind derzeit wohl auch dünn gesät, und alleine hat die Solidargemeinschaft der Löwen-Fans so eine Summe wohl auch nicht im Kreuz.
Trotzdem: Wer vor dem unmöglich scheinenden kapituliert, hat auf dem Chefsessel eines Vereins, wie es der TSV ist, nichts verloren. Der soll weiter dafür sorgen, dass die Welt mit Flughafen-Startbahnen und Transrapids verschandelt wird. Ich erwarte von Präsidium und Geschäftsführung, dass sie kreativ sind, unmögliche Optionen durchdenken, bis an die Schmerzgrenze gehen und sich den Arsch für unseren Verein aufreißen - anstatt sich winselnd mit eingezogenem Schwanz im dritten Stock der Geschäftstelle zu verkriechen, etwas von "Und ansonsten wüsste ich nicht, wie wir das finanzieren sollen" zu faseln. zusätzlich wird eine "Informationsveranstaltung" geplant. Um dem dummen Pöbel den nicht mehr zahlenden Kunden alle Vorzüge der Arena für den TSV nahezubringen. Als ob diese Newcomer im Verein den aktiven und interessierten Fans irgendwelche neuen Informationen liefern könnten, sodass es uns endlich wie Schuppen von en Augen fällt und wir freudestrahlend und Hosianna-singend das Schlauchboot stürmen. Immerhin hat sich Beeck als Nicht-Kenner der Löwen-Seele geouted, indem er zu Protokoll gab, dass er die Emotionalität bei dem Thema nicht verstünde. Ich empfehle ihm zum Einstieg die gefühlten 800 Seiten Stadiondiskussion im Löwenforum.

Eines hat sich in den letzten Tagen definitiv verändert: Das Mantra und Feigenblatt der Arena-Befürworter "Wir haben einen Vertrag, aus dem wir nicht rauskommen" ist weg. Endgültig.
Das Argument "Wie sollen wir das denn machen?" zählt so lange nicht, als man nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt, alle Möglichkeiten ausgelotet und alle Strippen gezogen hat, diese Knechtschaft zu beenden. Und wer noch immer meint, Fußball in Giesing sei wegen der fehlenden Parkplätze nicht möglich, soll doch mal bitte im 21. Jahrhundert ankommen.

Die Zeit ist jetzt reif. Wer jetzt nicht alles für einen Ausstieg aus der Arena unternimmt, macht sich mitverantwortlich am dann unvermeidlichen Tod des TSV. Das begreifen immer mehr Fans und Freunde des TSV - es wird zeit, dass die Erkenntnis auch mal bis in die Führungsriege des TSV vordringt.

UPDATE: 12.12. Jetzt hat sich auch die Münchner Freiheit offen auf die Seite der Auszugs-Befürworter gestellt. wenig überraschend, aber dennoch wichtig.

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